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„Hervorragendes, heimisches Obst“

 Regierungspräsidentin Nicolette Kressl besucht Obstbaubetrieb

Hören Sie hier den Livemitschnitt:

Nicole Kressel  bei Gätschenberger
Regierungspräsidentin Nicolette Kressl im Gespräch mit den Brüdern Arno (links im Bild) und Udo Gätschenberger. (Foto: pm)

 

 

Katzental. (rp) „Die regionale Vermarktung hat einen hohen politischen und marktwirtschaftlichen Stellenwert. Die Ernährungserziehung soll die vielen Vorzüge von Obst, unterstützt durch das Schulobstprogramm des Landes, den Kindern nahe bringen.

Die regionale Erzeugung von gesundem und frischem Obst, das vom regionalen Verbraucher sehr geschätzt wird, leistet einen Beitrag für die Nachhaltigkeit und die Vielfalt unserer Naturräume“, so Regierungspräsidentin Nicolette Kressl beim heutigen Besuch des Obstbaubetriebes Gätschenberger in Billigheim-Katzental.

 

„Im Betrieb Gätschenberger sind Produktion, Verarbeitung und Vermarktung optimal organisiert und aufeinander abgestimmt. Neben der Erzeugung erstklassiger Produkte, partizipiert der Betrieb bestmöglich an der Wertschöpfung. Er hat in innovativer Weise über viele Jahre immer wieder neue Konzepte entwickelt und umgesetzt und damit für ähnlich strukturierte Betriebe in der Region eine beispielhafte Rolle übernommen. Der heimische Obstbau bietet gesundes und frisches Obst“, betonte die Regierungspräsidentin.

Ein moderner Obstbaubetrieb brauche ein vielfältiges Knowhow, gute Arbeitskräfte und optimale gesetzliche Rahmenbedingungen um auch in Zukunft hervorragendes gesundes Obst produzieren zu können. Der regionale Verbraucher honoriere dies. Informationen zum Betrieb

Der Betrieb Gätschenberger ist mit 170 Hektar Obstbau und insgesamt 300 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche der größte Obstbaubetrieb im Regierungsbezirk Karlsruhe. Die beiden Brüder Arno (Obstbaumeister) und Udo (Maschinenbauingenieur) Gätschenberger führen gemeinsam mit Unterstützung ihrer Familien zwei Betriebe. Die Landwirtschaft Arno u. Udo Gätschenberger GbR und den Gewerbebetrieb Gätschenberger u. Co KG.

Der Betrieb bietet einen Einblick in den Obstanbau (Äpfel, Süßkirschen, Sauerkirschen, Zwetschgen, Mirabellen), die Sortierung und Abpackung, die Aufbereitung und weitere Verarbeitung von Äpfeln in Apfelschnitze und Apfelchips, sowie die moderne Lagerung von Äpfeln im CA-Lager (Controled Atmosphere). Die Hauptkultur ist der Apfel mit 73,50 Hektar.Die Tafeläpfel werden im CA-Lager über einen Zeitraum von etwa neun Monaten gelagert und können so über den Winter bis in den Sommer hinein verkauft werden. Alle anderen Obst-Arten werden über den Hofladen oder den Fachhandel abgesetzt.Der größte Teil der Kunden des Betriebes findet sich im Obstfachhandel. Hier wird neben der Frischware auch mit Verarbeitungsware oder Trockenware der Convenience-Foodbereich bedient. Nicht verkaufte Tafeläpfel werden getrocknet als Apfelchips auf den Markt gebracht. Hier erkennt man die besondere Stellung des Betriebes, der sich durch Vielfalt und Innovationsfreude auszeichnet. Möglichkeiten der Wertschöpfung durch Verarbeitungsprodukte und Veredlung werden verifiziert. Ein hoher Qualitätsstandard und eine hohe Leistungsfähigkeit werden vor Ort deutlich gezeigt.Die Gesunderhaltung der Kulturen wird durch integrierte Produktion erreicht, bei der der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert wird. Der Betrieb leistet einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Nationalen Aktionsplans. Deutschland setzt mit dem „Gesetz zur Neuordnung des Pflanzenschutzrechts“ vom 6. Februar 2012 und mit dem „Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ die Richtlinie 2009/128/EG in nationales Recht um. Der integrierte Pflanzenschutz ist in § 3 PflSchG verankert. Die Betriebsleitung hat sich für den integrierten Pflanzenschutz entschieden, um ein möglichst breites Handlungsfeld zu haben.Die ebenfalls zum Betrieb gehörende Mostobstfläche (20 Hektar) wird ökologisch bewirtschaftet.Ein moderner Betrieb braucht eine moderne Beratung. Arno Gätschenberger ist Vorstand des Beratungsdienstes Obstbau BD Hohenlohe-Neckar e.V. und Mitglied im Landesverband Erwerbsobstbau.

 

Das Obstjahr 2016 zeichnete sich durch ein langanhaltendes kühles, nasses Frühjahr, gefolgt von einem trockener heißen Spätsommer aus. Der Betrieb hat durch ungewöhnlich starke Niederschläge im Frühjahr Probleme mit der Pilzerkrankung Schorf am Apfel gehabt. Die Kirschessigfliege, ein invasiver Schädling, bereitet den Kirschproduzenten zudem größte Probleme.

Quelle: “SWR4 Kurpfalz”

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Welcher Apfel schmeckt am besten?

Lehrreiches und schmackhaftes Testessen auf dem Hof Gätschenberger

Von Nadine Slaby

Der Deutschen liebster Apfel ist der Elstar, weiß Arno Gätschenberger. In Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamts hatte der Obstbauer zum Testessen auf seinen Hof in Katzental eingeladen. Foto: Nadine SlabyKatzental. Äpfel, Äpfel und nochmals Äpfel. Alle gleich, könnte man meinen. Dass dem nicht so ist, das erfuhren die zahlreichen Gäste am Dienstag beim Apfel- Testessen auf dem Hof der Familie Gätschenberger in Katzental. Der Baeburn ist süß mit knackigem, festem Fruchtfleisch. Die Sorte Jonagold hingegen wird bei Lagerung weich und mürbe. Ebenso der Boskoop, der als sehr guter Backapfel gilt und leicht säuerlich schmeckt. Viel Wissenswertes rund um den Apfel, seine Verarbeitung und die verschiedenen Sorten erläuterten Ruth Weniger sowie BeKi- Fachfrau Ulrike Kleinert vom Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamts.

Dann durften sich die Tester selbst an die Arbeit machen. Die Aufgabe: Kuchen essen und die darauf befindliche Apfelsorte bewerten. „Hmm, der ist sehr süß“, meinte eine ältere Frau und notierte sogleich eine Eins auf ihrem Bewertungsbogen. Ihr Favorit hatte es auch den anderen Testern angetan, und so leerte sich schnell das Kuchenblech. Doch um welche Sorte handelte es sich? Ulrike Kleinert lüftete nach der Kuchenverkostung das Geheimnis: Es war die Rubinette.

Ein überraschendes Ergebnis, wie Arno Gätschenberger befand:„ Der Apfel hat seine Liebhaber, ist aber eher unbekannt. Vom Aussehen her und weil er recht klein ist, springt er den Kunden nicht an.“ Der Deutschen liebster Apfel sei der ebenfalls in der Verkostung angebotene Elstar. Die Sorte kennen die Tester zwar, auf dem Kuchen ist sie diesmal ebenso wie die Sorte Gala weit abgeschlagen.

Spannend findet der Obstbauer, dass bei jeder Verkostung ein anderer Apfel als Gewinner gekürt wird. Nur der Boskoop, der immer als Backapfel gelte, habe noch nie das Rennen gemacht. „Den zweiten, den Jonagold, fand ich recht rund“, erklärte einer der Tester, warum er sich für diesen entschieden hatte. Dies sei auch die Apfelsorte, die als Schälware an die Bäcker geliefert werde, erläuterte Arno Gätschenberger.

Während die Tische für die Rohverkostung hergerichtet wurden, erhielten die Besucher einen Einblick in die Vermarktung der zig Tonnen Äpfel, die der Betrieb von den über 50 Hektar Anbaufläche erntet. Ein kleiner Teil werde im eigenen Hofladen verkauft, den Großteil liefert der Betrieb an die regionalen Raiffeisen Haus- und Gartenmärkte sowie an Ladenketten wie Obi, Rewe, Edeka und Lidl.

Elstar-Äpfel, die sich aufgrund von Schönheitsfehlern nicht für den Verkauf eignen, werden zu Apfelchips verarbeitet. „Die Verarbeitung kann ich ihnen aufgrund der hohen Hygienestandards nicht zeigen“, bedauerte Arno Gätschenberger. Dafür konnten die Besucher die Verpackungsstation besichtigen. Von einem Gang durch die Plantage sah man aufgrund des heftigen Regens ab. „Das wollen Sie sich nicht antun“, lachte Seniorchef Eckehardt Gätschenberger. Als „freiwilliger Mitarbeiter“ ist er noch im Betrieb und sonst für die Führung durch die Baumreihen verantwortlich.

Bei der Rohverkostung wendete sich dann das Blatt. Die Gaumen der Tester kürten den Elstar zum beliebtesten Apfel, gefolgt von den Sorten Jonagold und Gala. Ein Grüppchen Damen freute sich darüber, alle fünf Apfelsorten richtig erschmeckt zu haben. „Wir haben Apfelkenner unter uns“, meinte auch Ulrike Kleinert. Und tatsächlich waren einige Tester schon zum dritten Mal auf den Hof Gätschenberger gekommen. „Ich erfahre immer wieder Neues“, so die Erklärung.

Im Anschluss an die Rohverkostung zeigte Arno Gätschenberger, wie die Reife eines Apfels bestimmt wird: Er maß den Zuckergehalt, überprüfte die Festigkeit sowie den Stärkegehalt. Im Hofladen konnten sich die Tester abschließend mit ihrem neuen oder alten Lieblingsapfel, Birnen, Zwetschgen oder Apfelchips eindecken.

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„Die Suche nach dem Lieblingsapfel“

Katzental. Soll er eher süß sein oder säuerlich? Rot oder grün? Groß oder klein? Knackig oder weich? Saftig? Viel
Vitamin C enthalten? Es ist gar nicht so einfach, seinen Lieblingsapfel herauszufinden. Fundierte Hilfestellungen gab
der „Fachdienst Landwirtschaft“ des Landratsamts am Montagnachmittag auf dem Hof der Familie Gätschenberger.
Über 30 Teilnehmer konnte Marion Schmidt-Kowalke begrüßen. Die Besucher erwarte nicht nur eine Verkostung in
Roh- sowie Kuchenform, sondern auch eine Betriebsführung.

Mit dem frei übersetzten Sprichwort „Iss einen Apfel am Tag, und du brauchst keinen Arzt“, begann die Oberlandwirtschaftsrätin
ihr Kurzreferat. Unterschiedlich hoch sei jedoch der Gehalt des gesunden Vitamin-C in den einzelnen
Sorten. „Die Äpfel, die am schnellsten braun werden, haben am meisten Vitamin C“, laute eine Faustregel.

Der Betrieb verfüge über 50 Hektar Äpfel und einen Hektar Birnen, erläuterte Arnold Gätschenberger. Als Schutz vor
Unwettern habe man die Areale „topografisch verteilt“. Das Kernobst vermarkte man direkt vom Hof aus. Einiges gehe
über den Hofladen, aber den Großteil liefere man an die Raiffeisen Haus- und Gartenmärkte – „von Billigheim bis Bühl“
- sowie an Ladenketten wie Obi, Rewe, Edeka und Lidl.

Die Geschmackssinne der Teilnehmer waren bei der ersten Verkostungsrunde gefragt. Bei strahlendem Sonnenschein
lockte ein Freiluftbüffet mit fünf Apfelkuchen – belegt mit jeweils unterschiedlichen Sorten, die es zu erraten galt. Da
auch einige Kannen Kaffee bereitgestellt waren, besaß die Verkostung durchaus eine gesellige Komponente. „Der war
schön saftig.“ „Der hat ein intensives Aroma.“ Die individuellen Ergebnisse notierten die Teilnehmer auf Fragebögen,
sodass am Ende eine „Hitparade“ herauskam. Elstar wurde der Backapfel Nummer eins: „Der ist sehr saftig, hat Biss
und schmeckt fruchtig“, fanden die meisten Testesser. Auch Jonagold und Rubinette kamen aufs Siegertreppchen.
Boskoop, in der traditionellen Küche der klassische Kuchenapfel, schnitt nicht so gut ab.

„Wir schneiden die ersten fünf Jahre nichts, wir brechen nur, damit der Baum ruhig wird“, erläuterte Seniorchef Eckhardt
Gätschenberger nach einem kurzen Gang in die Plantage. Licht sei wichtig, aber auch eine schlanke Form der
Bäume. Zur Befruchtung seien 400 Wandervölker Bienen im Einsatz. Versuche, Hummeln sesshaft zu machen, seien
bisher gescheitert. Biologische Schädlingsbekämpfung – man arbeite etwa mit Lockstoffen – habe allerdings einen
Haken: „Das kostet zehn Mal so viel wie Chemie.“ Eckhardt Gätschenberger verriet auch zwei Besonderheiten: „In der
Produktion die schwierigste Sorte ist Rubinette. Elstar gibt die besten Chips.“

„Wir sind mit der Ernte 20 Tage später dran als im Durchschnitt“, erklärte Arnold Gätschenberger das emsige Treiben
rund um die Halle. Fröstelig wurde es vor einem der geöffneten Kühlhäuser. „In den luftdicht verschließbaren Raum
passen 70 Tonnen Äpfel“, wusste der Experte. Bei Temperaturen zwischen 0,8 und drei Grad Celsius versetze man
das Obst in eine Art Winterschlaf. „Von jedem Apfel werden 40 Bilder gemacht“, hieß es bei der vollautomatischen
Sortiermaschine. Was früher „händisch“ geschah, übernimmt nun moderne Technik. 20 Infrarot- und 20 Farbbilder pro
Apfel sollen Dellenobst erkennen sowie „40 Prozent Farbe“ garantieren. Dennoch bleibt genug anstrengende Handarbeit,
bis die Äpfel in den verschiedenen Gebinden im Bauch der Lkw verschwinden.

Eine Apfelverkostung bildete den offiziellen Schlusspunkt des Programms. Die „Hauptsorte“ Elstar hatte auch hier die
Nase vorn. Mit einem Applaus bedankten sich die Teilnehmer für die informative und liebevoll realisierte Veranstaltung.
Viele besuchten vor der Heimfahrt noch den Hofladen und kehrten mit „ihrem“ Apfel nach Hause zurück.

Quelle: Rein-Neckar-Zeitung, 10.10.2013, Peter Lahr